Aussagen relativiert

So könnten beispielsweise die Archäologen auf wichtige Funde stoßen oder der Untergrund sich bei den Erdarbeiten plötzlich anders darstellen. Es könne aber auch so sein wie im benachbarten Nidderau, dass der Bund die Auszahlung für das Projekt unvorhergesehen strecken und dadurch die Fertigstellung der ganzen Straße verzögert würde.

Als die Fragesteller aber nicht locker ließen, wagte Franz dann doch eine Aussage: "Für ähnlich gelagerte Projekte brauchen wir üblicherweise zwischen vier und sechs Jahre". Dies war Alexander Pilz dann aber doch schon zu genau. So relativierte er die Aussage kurz entschlossen "auf mehr als zwei Jahre, aber deutlich weniger als zehn Jahre".

Warum der Auftrag zum Bau der Umgehung an eine Fremdfirma erfolgte und nicht bei Hessen Mobil, dem ehemaligen hessischen Amt für Straßen- und Verkehrswesen, verblieben ist, erklärte Pilz mit Überlastung. "Wenn der Bauauftrag nach der Freigabe im November 2011 durch den Bund bei uns geblieben wäre, hätte es noch sehr, sehr lange mit dem ersten Spatenstich gedauert."

Dadurch, dass jetzt aber die Deges federführend sowohl bei der Feinplanung als auch bei der Vergabe von Bauaufträgen ist, wird der erste Spatenstich voraussichtlich schon in diesem November erfolgen. Und zwar am südlichen Zipfel von Nieder-Wöllstadt, an der Eisenbahn-Überführung. Danach werden die zehn Bauwerke, vor allem Brücken, sowie die beiden Stützwände nach und nach auf der 9,4 Kilometer langen Trasse in Angriff genommen. Von sechs Kreuzungen sollen drei mit Ampeln versehen werden. Kreisel benötigten mehr Fläche und seien teurer. "Und wenn die Verkehrsdichte zu groß ist, hat der einmündende Verkehr kaum eine Chance, sich einordnen zu können", erläuterte Pilz. Franz dazu: "Für 28 000 Fahrzeuge pro Tag bauen wir woanders jedenfalls direkt eine Autobahn."

Die Suche nach dem Ötzi

Drei Bauabschnitte sind vorgesehen. Los gehen soll es an der Bahnunterführung im Süden von Nieder-Wöllstadt, trotzdem ist geplant, die Umfahrung um Ober-Wöllstadt südlich von Friedberg als Erstes fertigzustellen. Die einzelnen Bauabschnitte sollen direkt nach Fertigstellung dem Verkehr übergeben werden, die Bürger schnellstmöglich von Lärm und Abgasen entlastet werden.

Während nun die Planer noch über die genaue Trassenführung brüten, machen sich demnächst die Archäologen an die Arbeit. Eine Million Euro stehen ihnen zur Verfügung, zwei Sommer dürfe man "nach dem Ötzi von Wöllstadt suchen", wie Franz scherzhaft berichtete.

Keine Probleme erwartet er mit der Bahn AG, die den Ausbau der Linie bis Friedberg vorantreibt. Erste Gespräche hätten gezeigt, dass Schiene und Straße unabhängig voneinander gebaut werden könnten.

Quelle: FNP 22.06.2012: http://www.fnp.de/ndp/region/lokales/wetterau/woellstadt-freut-sich-auf-november_rmn01.c.9933929.de.html