Wöllstadt (hed). Das Baurecht für die B 3/B 45-Ortsumgehung Wöllstadt besteht seit Anfang 2010. Passiert ist danach nichts, denn die Finanzierung des 40-Millionen-Euro-Bauprojekts ist noch nicht gesichert - und deshalb wollen die Wöllstädter auf die Straße gehen: Dieser Tage hat sich die Bürgerinitiative »Ortsumgehung Wöllstadt - Jetzt« neu formiert.

Neben der Gemeinde wollen sich nun auch die Wöllstädter Bürger aktiv für den Bau der Ortsumgehung einsetzen.
Sie war bereits Anfang der 80er gegründet worden, hatte nach einer Phase mit Demos und Verkehrszählungen Mitte der 90er ihre Arbeit aber weitestgehend eingestellt. Jetzt will man frischen Wind in die Bewegung bringen. »60 Jahre Warten und Vertröstungen sind genug«, sagte der neue Vorsitzende Peter Dangelmaier und kündigte mehrere Aktionen der BI an.


Dangelmaiers Stellvertreterin ist Helga Behling, Kassenverwalter wird Claus Zehm, Organisator der Arbeitsgruppen ist Udo Gasteier. Laut Dangelmaier prangert die Bürgerinitiative an, dass sich der Baubeginn der Ortsumgehung trotz geschaffenen Baurechts und obwohl sie im vordringlichen Bedarfsplan des Bundes-Verkehrswegeplanes eingestuft sei, weiter verzögert. Wie berichtet, hatte Verkehrsminister Peter Ramsauer in einem Schreiben betont, dass beim Bau der Straße dem Umstand Rechnung getragen werden müsse, dass in Hessen in den letzten Jahren wichtige Projekte begonnen worden seien - so der Bau der A 66 bei Fulda, der A 66/A 661 bei Frankfurt, der vierspurige Ausbau der B 49 zwischen Limburg und Wetzlar und diverse Ortsumgehungen. Diese Projekte würden derzeit einen großen Teil der für Hessen zur Verfügung stehenden Bundesfernstraßenmittel binden.

Wenn man jetzt nichts unternehme, könne es sein, dass die Straße wieder von der Prioritätenliste verschwinde, vermutet der Nieder-Wöllstädter BI-Vorsitzende. Da man derzeit keinen Wetterauer Vertreter mehr im Bundestag habe, müsse der Kontakt nach Berlin intensiviert werden. »Wir haben mit Politikern von Bund und Land gesprochen. Bisher hatten wir den Eindruck, dass der Bund dem Land den schwarzen Peter zuschob. Jetzt ist es offensichtlich so, dass das Bundesministerium für Verkehr in diesem Jahr keinem weiteren Baubeginn von größeren Baumaßnahmen in Hessen zustimmen kann.« Bei der Ortsumgehung Wöllstadt handele es sich aber nicht um einen Baubeginn, sondern um den Weiterbau der bereits im Juni 2009 fertiggestellten B 3-Ortsumgehung Friedberg und den Lückenschluss zu Karben, stellte der Vorsitzende fest. Die Bürgerinitiative fordere daher verantwortungsvolles politisches Handeln.

»Wollen die Leute auf die Straße bringen«

»Über 30 000 Fahrzeuge täglich untermauern unsere Forderung nach dem sofortigen Baubeginn der Umgehungsstraße«, sagte Dangelmaier, der auch in der Bürgerinitiative »Lebensraum Wetterau« gegen den Bau der Windräder zwischen Wöllstadt und Bruchenbrücken aktiv ist. Man werde deshalb ab diesem Frühjahr Bürgeraktionen durchführen. Geplant sind eine Infoveranstaltung und eine Demo auf der B 3. »Wir müssen die Leute auf die Straße bringen.«

Dangelmaier: »Dabei werden wir sicher von vielen Mutbürgern unterstützt, denn unsere Bürgerinitiative ist ja für und nicht gegen etwas.« Man wisse, dass die Gemeinde Wöllstadt alles in ihrer Macht Stehende tue, um die Ortsumgehung endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Ebenso freue man sich über die Unterstützung aller politischen Kräfte in Wöllstadt.

Die Bürgerinitiative will sich alle zwei Wochen im Alten Rathaus in Ober-Wöllstadt treffen. Ansprechpartner ist der Vorsitzende Peter Dangelmaier, Telefon 0 60 34/16 56.