Wöllstadt (hed). »Wir haben keine Eile« sagt der entspannte Mann in seinem Wagen mit Berliner Kennzeichen, der – wie so viele andere am Freitagmittag – im Stau vor Nieder-Wöllstadt steht. Die zum vierten Mal demonstrierenden Wöllstädter würden ihm widersprechen: So schnell wie möglich soll ihre Ortsumgehung kommen.

 

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»Wir fahren nach Berlin«: BI-Chef Peter Dangelmaier (r.) animiert die Wöllstädter, ihren Unmut lautstark zu äußern. (Foto: nic)

Die anfangs noch recht überschaubare Zahl der Demonstranten wächst mit jedem Haus, das auf der B 3 passiert wird. Am Ende werden es knapp 500 sein, die im Protestzug nach Ober-Wöllstadt laufen. Es sind weniger Menschen, Fahnen und Traktoren als bei der letzten Demo, was auch am Herbstwetter liegen könnte. Vielleicht aber haben einige die Hoffnung auf baldige Ruhe vorm Fenster verloren. Der Entwurf des Fünfjahresplans des Verkehrsministeriums sieht schließlich keine neuen Straßen vor. »Es ist ein Entwurf, noch kann sich da etwas ändern«, versucht der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Peter Dangelmaier, Mut zu machen. Verkehrsminister Ramsauer wolle seine Pkw-Maut durchbringen, deshalb seien die Projekte erstmal gestrichen worden, vermutet er, dreht sich um und ruft »Ortsumgehung Wöllstadt« in sein Megafon: »Jetzt«, schallt es zurück.

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Ein Dorf gibt nicht auf und geht für dem Bau einer Ortsumgehung auf die Straße. Der Verkehr musste warten.

Von Jürgen W. Niehoff

Wöllstadt. Als die Demo hinter dem Rathaus in Nieder-Wöllstadt startete zählt der Zug nicht mal 100 Köpfe. Darunter war allerdings wieder Landrat Joachim Arnold (SPD). "Ich will Flagge zeigen und mit der Teilnahme meine Solidarität mit der Bevölkerung von Wöllstadt bekunden", so der Landrat. Gerade als der Feierabendverkehr langsam auf der B 3 in Richtung Friedberg zu fließen begann, sperrten die Wöllstädter die Bundesstraße mit ihrem Demo-Zug. Mit Sprüchen wie "Ramsauer, wir kommen" oder "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" zog der ständig wachsende Zug in Richtung Ober-Wöllstadt.

 

Legten den Verkehr lahm, um endlich eine Umgehungsstraße zu bekommen: Die aufgebrachten Wöllstädter Bürger. Foto: Jürgen W. Niehoff

Hessen muss helfen

"Der Spielball für den Bau der Straße liegt in Wiesbaden bei der hessischen Landesregierung. Denn vom derzeitigen Verkehrsentwicklungsplan ist die Straße aus dem vorrangigen Bedarf noch nicht gestrichen worden", so der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) "Ortsumgehung Wöllstadt – jetzt", Peter Dangelmaier. Deshalb müsse der hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) bei seinen Gesprächen in Berlin darauf bestehen, dass dies auch bei dem neuen Verkehrsentwicklungsplan so bleibe. "Wir fordern von Wiesbaden echte Taten und keine bloßen Lippenbekenntnisse", berichtet der BI-Vorsitzende über seine Pläne. Als nächstes will die BI sich um einen Gesprächstermin bei dem hessischen Verkehrsminister bemühen.

 

Umgehungsstraße gefordert

Mit Transparenten und Spruchbändern protestierten die Anwohner auf der B3.
Rund 500 Bürger haben am Freitag in Wöllstadt in der Wetterau den Verkehr auf der Bundesstraße 3 lahmgelegt. Rund zwei Stunden lang demonstierten sie für den seit Jahrzehnten diskutierten Bau einer Umgehungsstaße.
Im Berufsverkehr bildete sich eine lange Autoschlange hinter dem Demonstrationszug durch die beiden Ortsteile Ober- und Niederwöllstadt. Das war auch das Ziel der Bürgerinitiative, die öffentlich auf ihre Situation aufmerksam machen will: Mehr als 30.000 Fahrzeuge, davon nachts viele Lkw, wälzen sich täglich durch Wöllstadt.

Quelle FAZ 15.09.2011