Wöllstadt (hed). Jetzt erst recht: Die Bürgerinitiative »Ortsumgehung Wöllstadt – Jetzt« lässt sich durch die schlechten Nachrichten aus Berlin nicht entmutigen. Zum zweiten Mal nach der Großdemo auf der B 3 Mitte Mai wollen die Wöllstädter auf die Straße gehen.

Die Wöllstädter wollen wieder auf die Straße gehen. (Archivfoto: hed)

»Der Verkehr gibt keine Ruhe – wir auch nicht«, betont der BI-Vorsitzende Peter Dangelmaier. Am kommenden Samstag, 13. August, wird man zwar nicht mehr mit Spruchbändern und Trompeten durch die beiden Ortsteile ziehen, der Verkehr wird aber trotzdem zum erliegen kommen – wenn auch nicht so lange wie bei der letzten Demo. Zwischen 11 und 12 Uhr wird am Samstag auf der Kreuzung B 3/B 45 in Nieder-Wöllstadt gefrühstückt.

Um 10.30 Uhr treffen sich die Wöllstädter auf der freien Fläche vor der ehemaligen Tankstelle. Dann werden Tische und Bänke aufgestellt. Die Teilnehmer werden gebeten, ihr Frühstück mitzubringen. Alternativ kann man sich im Nahkauf oder bei der Metzgerei Kromm, die an diesem Tag spezielle Frühstückstüten anbietet, etwas besorgen. Die BI schenkt gekühlte Erfrischungsgetränke aus und bietet heiße Würstchen mit Brötchen an. Der Alkoholkonsum ist per Auflage während der Demo verboten, Transparente und »Lärminstrumente« dürfen aber mitgebracht werden. Weitere Infos findet man auf der Seite www.ortsumgehung-woellstadt.de.

Wie berichtet, hatte der Bund mitgeteilt, dass die Ortsumgehung erst gebaut werden kann, »sobald sich im Rahmen der für das Land Hessen zur Verfügung stehenden Bundesmittel wieder ein entsprechender Finanzierungsspielraum ergibt«. Seit vergangenem Jahr besteht Baurecht für das 40-Millionen-Euro-Projekt.

 

Quelle WZ: http://www.wetterauer-zeitung.de/Home/Kreis/Staedte-und-Gemeinden/Woellstadt/Artikel,-Woellstadt-fruehstueckt-fuer-den-Bau-der-Ortsumgehung-_arid,278548_regid,3_puid,1_pageid,81.html

Wöllstadt. Peter TauberPeter Tauber Dass sie am Problem fehlenden Geldes für die B 3-Ortsumgehung Wöllstadt "dranbleiben", versichern Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) aus Bad Vilbel und MKK-Bundestagsabgeordneter Peter Tauber (CDU).

Obwohl seit Frühjahr 2010 Baurecht besteht, hat der Bund bislang kein Geld dafür bereitgestellt. Die Politiker in Bund und Land hatten sich zuletzt gegenseitig dafür verantwortlich gemacht. Minister Hahn, als Landtagsabgeordneter für die Wetterau zuständig, stellt per Schreiben an die Bürgerinitiative "Umgehung Wöllstadt jetzt" klar, dass die Entscheidung allein beim Bund liege. Projekte dieser Größe müsse der Bundestag in den Straßenbauplan aufnehmen und konkret benennen. Pauschalgelder erhalte das Land nur in geringem Maß, und diese vornehmlich für Erhaltungsarbeiten.

Bei den Bauprogramm-Besprechungen sowie jüngst einer "Bereisung" mit den Experten aus Berlin habe das Land vorort die Dringlichkeit für den Bau in Wöllstadt "veranschaulicht", sagt Hahn. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wolle er stetig an seine jüngste Zusage erinnern, die Umgehung zu bauen, sobald sich "ein Finanzierungsspielraum ergibt".

MKK-Bundestagsabgeordneter Peter Tauber (CDU), der sich um den Wetteraukreis kümmert, unterstreicht ebenfalls, dass er sich für Wöllstadt einsetze. Er penetriere die zuständigen Minister und Staatssekretäre in Land und Bund "so oft es geht" mit diesem Thema, erklärt er. "Aber es ist das Bohren dicker Bretter." Das Problem sei die Schuldenbremse.

Zudem sei Hessen an den Bundesmitteln schon überproportional beteiligt. Nur: "Ein großer Teil des Geldes fließt in den Autobahnausbau nach Nordhessen." Im Herbst fällt laut Peter Tauber die Entscheidung, wie viel Geld der Bund für den Straßenbau an das Land Hessen gibt. Dann sei es am Land zu entscheiden, wofür das Geld verwendet werde. schw/dpg

 

FNP: Artikel vom 30. Juli 2011

Quelle FNP: http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/wetterau/werben-fuer-woellstadts-b-3_rmn01.c.9093032.de.html

Wöllstadt (mij). Ein Auto nach dem anderen und ungezählte Lastwagen fahren täglich über die Hanauer Straße. Der Bau der Ortsumgehung B 3 wurde jetzt auf ungewisse Zeit verschoben. Dass die Wöllstädter das gar nicht gut finden, machten sie im Gespräch mit der WZ deutlich.

lk_umgehung3_220711_4c_1Die Bürger zeigen ihren Ärger. Schilder, auf denen sie die Ortsumgehung fordern, säumen die Hanauer Straße. (Foto: Michel)

 

Die 53-jährige Cornelia Brinkmann aus Wöllstadt beschreibt die Situation als »eine Katastrophe«. Als Autofahrer komme man nicht aus Seitenstraßen heraus, und als Fußgänger habe man kaum eine Chance, die Straße zu überqueren. Ein solch hohes Verkehrsaufkommen sei abnormal. An den kommenden Demonstrationen nehme sie auf jeden Fall teil. Sie findet die Idee gut, etwas zu unternehmen und möchte Wöllstadt auf diese Weise unterstützen. Die Verzögerung des Baus kommentiert sie mit den Worten: »Das ist ja nix Neues.« Verstehen könne sie es allerdings nicht.

Verzögerung ist »große Schande«

Die 49-jährige Iris Hollerbach wohnt direkt an der Hanauer Straße. Die Verzögerung des Baus der Ortsumgehung bezeichnet sie als »eine große Schande«. Sie sei bisher bei jeder Demonstration gewesen und gehe auch zu den Versammlungen der Bürgerinitiative. »Es müsste jeden Monat eine Demo geben«, fordert Hollerbach. Mit ihrem Auto könne sie kaum in ihren oder aus ihrem Hof fahren. Bleibe sie stehen, um auf ihr Grundstück zu fahren, werde noch gehupt. Von der gegenüberliegenden Straßenseite in den Hof einbiegen, sei gar nicht möglich. Hollerbach fahre dann erst einen Umweg, um zu Hause parken zu können. Dort könne sie sich aber auch nicht von dem Stress erholen. Den Lärm der permanent vorbeirasenden Autos und Laster gehöre zum Alltag dazu. »Man erträgt ihn einfach.«

Die 17-jährige Lisa Auburger trägt regelmäßig Zeitungen in Wöllstadt aus. Über die Hanauer Straße laufe sie nur ungern. Es sei ihr zu gefährlich, auf dem schmalen Gehweg entlang zu laufen. »Neulich war hier ein Unfall. Ein Hund wurde überfahren«, erinnert sie sich. Beim Austragen höre sie normalerweise Musik, viel vernehme sie wegen der Geräuschkulisse allerdings nicht. Auch sie hofft, dass bald etwas unternommen wird. Lisa Auburger vermutete, dass die Verantwortlichen die Lage in Wöllstadt nicht ernst genug nehmen.

Die 50-jährige Martina Ebeling betreibt mit ihrem Mann eine Metzgerei auf der Hanauer Straße. Ihr Geschäft leide unter der schlechten Lage. Vom Durchgangsverkehr habe sie keine Kunden, und die übrigen Kunden kämen mit ihrem Auto nicht mehr vom Parkplatz herunter. Das Verkehraufkommen habe sich, seit die Umgehungsstraße von Friedberg fertiggestellt wurde, noch verschlimmert. An Tempo 30 halte sich kaum jemand. Wenn dann noch zwei Lastwagen aneinander vorbei müssten, werde es für Fußgänger gefährlich auf den Gehwegen. Obwohl Ebelings Wohnhaus in derselben Straße liegt, laufe sie lieber einen Umweg durch den Ort.

»Wenn ich einen Einkaufskorb oder das Fahrrad dabei habe, gehe ich gar nicht mehr über die Hanauer Straße. Das ist viel zu gefährlich«, erklärt Ebeling. Sie wisse auch von Kunden, die lieber einen sicheren Umweg in Kauf nehmen. »Die hätten mit dem Bau schon gestern angefangen, wenn es nach mir ginge«, sagt Ebeling. Auch bei Demonstrationen sei sie aktiv. Dann schließe sie sogar den Laden, um die Proteste zu unterstützen.

 

Auch die 70-jährige Irmi Frauenrath findet es »unmöglich«, dass der Bau der Ortsumgehung weiter verschoben wird. »Windräder werden gebaut. Dafür ist Geld da. Aber alles andere wird vernachlässigt«, ärgert sie sich. Auch sie hat gelesen, dass der Bund kein Geld habe. Aber es gebe doch auch andere, günstigere Möglichkeiten, um die Straße zu beruhigen. Zum Beispiel könnten Blitzer aufgestellt oder Schwellen gebaut werden.

»Die Lkw wollen Maut sparen«

»Wenn die Lkw hier runter donnern, muss man Angst haben, dass man umgefahren wird. Zu Hause klirren dann die Gläser in der Vitrine«, sagt Irmi Frauenrath. Sie achte auch auf die Nummernschilder: »Die meisten Laster kommen gar nicht von hier. Die wollen einfach nur die Maut sparen.« Auch sie nehme lieber einen Umweg, als die Hanauer Straße entlang zu gehen. Selbst an den Fußgängerampeln sei es gefährlich. Frauenrath erinnert sich an eine brenzlige Situation: Die Ampel zeigte Grün, sie habe gerade loslaufen wollen, als ein Auto mit einer enormen Geschwindigkeit über die Straße gefahren sei. »Gott sei Dank habe ich noch schnell genug reagiert, und mir ist nichts passiert.« Aber sie dachte auch an die Kinder: »Die sehen die Gefahr doch gar nicht.«


Quelle WZ: http://www.wetterauer-zeitung.de/Home/Kreis/Staedte-und-Gemeinden/Woellstadt/Artikel,-Es-muesste-jeden-Monat-eine-Demo-geben-_arid,275558_regid,3_puid,1_pageid,81.html

Wöllstadt (chh). Schlechte Neuigkeiten für die Befürworter der Ortsumgehung B 3: Da dem Bund die Mittel fehlten, könne kein konkreter Realisierungszeitraum für den Bau der rund 40 Millionen Euro teuren Umgehungsstraße genannt werden, teilte Landtagsabgeordneter Jörg-Uwe Hahn in einem Schreiben mit. Dies habe ihm Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer berichtet.

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»Ortsumgehung jetzt«, fordern die Demonstranten, so wie hier am 20 Mai. Doch daraus wird vorerst nichts. Die Bürgerinitiative kündigt daher weitere Demos an. (Archivfoto: hed)

Laut Hahn kündigte Ramsauer jedoch an, dass der Bau der Ortsumgehung erfolge, sobald das Land Hessen wieder Geld in der Kasse habe.

»Diese Situation ist für uns sehr unbefriedigend«, kommentierte Peter Dangelmaier, Vorsitzender der Bürgerinitiative »Ortsumgehung Wöllstadt-jetzt«. »Wieder einmal wird der «schwarze Peter» zwischen Berlin und Wiesbaden hin- und hergeschoben. Erst hatte Berlin das Geld, der Planfeststellungsbeschluss fehlte jedoch. Jetzt liegt der Beschluss vor, das Geld ist aber weg. Das ist meiner Meinung nach politisches Unvermögen«, ärgert sich Dangelmaier.

Auch Bürgermeister Alfons Götz ist erbost: »Das Verkehrsaufkommen in Wöllstadt ist unzumutbar. Sobald die A 5 überfüllt ist, fahren die Leute durch den Ort.« Seit Fertigstellung der B 3-Ortsumgehung Friedberg im Juni 2009 habe zudem die Verkehrsbelastung, insbesondere der Lkw-Verkehr, erheblich zugenommen. Für die Anwohner sei dies eine »Tortur«, sagt Götz. Vor allem nachts sei das Aufkommen unerträglich: »Wir haben zwischen 0 und 4 Uhr 400 Fahrzeuge gezählt, darunter viele Lkw. Vor der Fertigstellung der B3 in Friedberg waren es noch 100.«

Dass jetzt kein Geld vorhanden sein soll, kann der Rathauschef nicht verstehen: »Der Planfeststellungsbeschluss, also auf gut Deutsch die Baugenehmigung, besteht seit März 2010. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Bauvorhaben nach so langer Zeit noch immer nicht umgesetzt worden ist.«

Laut Götz kann die Verzögerung schwerwiegende Folgen haben. Die Baugenehmigung gelte nur für fünf Jahre. Sie könne zwar verlängert werden, es bestehe jedoch die Gefahr, dass neue Studien eingeholt werden müssten, da sich das Umfeld verändern könne.

»Das hat es in den 80er Jahren schon einmal gegeben«, berichtet Götz. »Damals musste eine Umweltverträglichkeitsstudie aktualisiert werden, was den Bau der Ortsumgehung verzögert hat.« Daher fordert der Bürgermeister den sofortigen Baubeginn der Ortsumgehung. »Alles andere ist eine fahrlässige Verschleuderung von Steuergeldern.«

Die Vertreter der Bürgerinitiative wollen auch weiterhin gegen das hohe Verkehrsaufkommen protestieren. So ist unter anderem eine Plakataktion für die Ironman-Veranstaltung am kommenden Sonntag geplant. Zudem hat die Bürgerinitiative eine Demonstration für Samstag, 13. August, in Nieder-Wöllstadt angemeldet. »Zu allen Veranstaltungen werden wir Politiker aus der Landes- und Bundespolitik einladen«, kündigt Dangelmaier an. »Dann kann jeder sehen, wie wichtig die Ortsumgehung ist.«

 

Quelle WZ: http://www.wetterauer-zeitung.de/Home/Kreis/Staedte-und-Gemeinden/Woellstadt/Artikel,-Es-gibt-kein-Geld-fuer-die-Umgehungsstrasse-_arid,274407_regid,3_puid,1_pageid,81.html