Bis Jahresende fällt Entscheidung: Extra-Geld aus Verkehrsetat des Bundes für die B3-Umgehung in der Wetterau?

Eine Milliarde Euro extra bescheren hohe Steuereinnahmen dem Verkehrsetat des Bundes. In Wöllstadt erwarten viele nun, dass ihre Gemeinde davon etwas abbekommt. Die Politik nährt das Hoffen.

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Wöllstadt. Durch Nieder-Wöllstadt – hier an der Kreuzung der B 45 und der B3 – quälen sich täglich tausende Autofahrer. Genervt sind freilich auch die Anwohner – wegen Lärm und Dreck. Archivfoto: dpgDurch Nieder-Wöllstadt – hier an der Kreuzung der B 45 und der B3 – quälen sich täglich tausende Autofahrer. Genervt sind freilich auch die Anwohner – wegen Lärm und Dreck. Archivfoto: dpg Natürlich könne er nichts versprechen. Aber ...

Beim Ortstermin mit diversen Bürgern vor wenigen Tagen hat Landtagsabgeordneter Tobias Utter (CDU) aus Bad Vilbel doch immerhin eines im Gepäck: "Die Hoffnung ist groß für grünes Licht" für den 40 Millionen Euro teuren Bau der B 3-Ortsumgehung.

 

Utter: Spannende Zeit

Das steigert die Erwartungen der Wöllstädter, die seit Jahren für ihre Straße kämpfen. Das Projekt wurde zum Paradoxon: Der Bund trieb es voran, die Gemeinde half, wo es nur ging. Nun sind die Pläne fertig, Klagen nicht mehr möglich, selbst die Flurbereinigung kann anlaufen.

Bis der erste Bagger rollen kann, wären es nur wenigen Monate. Doch ausgerechnet da kommt das vorläufige Aus für die Umgehung der Bundesstraße B 3: Weil dem Bund das Geld fehlt, wird fürs Erste nicht gebaut. Seit bald zwei Jahren macht Wöllstadt diese Hängepartie nun schon mit.

Mit der Extra-Milliarde im Etat von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) könnte sich das nun ändern. 600 Millionen Euro davon fließen in den Straßenbau. Wie viele nach Hessen, ist noch nicht klar. Und welche Projekte in Hessen ab dem kommenden Jahr damit finanziert werden, klären Bund und Land gemeinsam.

"Bis Ende des Jahres" rechnet Landtagsabgeordneter Utter mit dieser Entscheidung. "In den nächsten Wochen haben wir Klarheit, das ist nun eine spannende Zeit." Der CDU-Politiker nährt die Erwartungen der Wöllstädter: "Ich glaube, wir haben gute Chancen, weil Wöllstadt so weit fortgeschritten ist in der Planung."

Bürgermeister Alfons Götz (CDU) korrigiert: "Kein anderes Projekt ist so weit fortgeschritten." Genau deshalb sind die Wöllstädter seit Monaten konsterniert ob der fortlaufenden Absagen aus Berlin. Die Gelder, die der Bund für seine Straßenausbauten in Hessen investiert, fließen seit Jahren zum Großteil in den umstrittenen Ausbau der A 44 zwischen Kassel und Eisenach.

 

Muss durchfinanziert sein

Die zusätzliche Milliarde nun mache ihn "etwas zuversichtlicher", räumt Bürgermeister Götz ein. Das vor allem, weil "ich mir nicht erlauben kann zu überlegen, was geschieht, wenn die Maßnahme nicht kommt", seufzt er.

Rund 30 000 Autos und Lastwagen rollen Tag für Tag durch die engen Durchfahrten in Nieder- und Ober-Wöllstadt. Seit Eröffnung der Friedberger Westumgehung werde es immer mehr Verkehr: "Von der A 5 in Bad Nauheim aus nutzen immer mehr Fahrzeuge die Verbindung Richtung Frankfurt."

Götz kämpft seit Jahren für den Bau der Umgehung und hat wo auch nur immer möglich dafür gesorgt, dass Planungen und Genehmigungen ohne Widerstände liefen. Denn er weiß: "Die Entwicklung der Gemeinde ist durch die B 3 vollkommen behindert."

Die Situation nun sehe ganz anders aus als noch im Sommer, findet Tobias Utter. Denn sein grundsätzliches Interesse daran, die Umgehung zu bauen, habe der Bund allein dadurch bewiesen, dass er das Vorhaben "schon soweit entwickelt" habe. Bevor die Bagger anrollten, müsste das Vorhaben aber komplett durchfinanziert sein, erklärt er. "Da reicht nicht ein bisschen Geld, denn man kann ja nicht mittendrin aufhören zu bauen."

 

Quelle: FNP 6.12.2011: http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/wetterau/woellstadt-schoepft-neue-hoffnung_rmn01.c.9422869.de.html