Mit einem symbolischen ersten Spatenstich macht die Bürgerinitiative Druck auf Politiker: Sie wollen nicht länger auf die B 3a warten

Es war ein Schock: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verkündete, es gebe kein Geld für neue Straßen (die FNP berichtete). Die lärmgeplagten Anwohner der B 3 in der Wetterau sind stinksauer. Sie wollen ihre Umgehung – und zwar jetzt. Dafür greifen sie auch selbst zur Schaufel.

Von Jürgen W. Niehoff

Wöllstadt. Die Bürger in Wöllstadt haben es satt auf die Politik zu warten. Sie packen die Schaufeln selbst in die Hand und machen einen symbolischen ersten Spatenstich für die B 3a.	Fotos: NiehoffDie Bürger in Wöllstadt haben es satt auf die Politik zu warten. Sie packen die Schaufeln selbst in die Hand und machen einen symbolischen ersten Spatenstich für die B 3a. Fotos: Niehoff Die Umgehung muss kommen. Am liebsten würden sie die Wöllstädter selbst bauen. Mit einem symbolischen Spatenstich machten sie gestern klar, wie ernst es ihnen ist. Die Bürger wollen der Politik Dampf machen.

"Wenn mit dem Bau der Umgehungsstraße um Wöllstadt nicht endlich begonnen wird, dann fahren wir geschlossen nach Berlin", drohte der Sprecher der Bürgerinitiative Ortsumgehung Wöllstadt-Jetzt, Peter Dangelmeier den Kreis-, Landes- und Bundespolitikern bei der Demo gestern Nachmittag erste Konsequenzen an. Aber damit nicht genug. "Eines ist jetzt schon sicher: ohne die Umgehungsstraße gibt es dann auch keinen Ausbau der S-Bahnlinie bis Friedberg".

 

Bund hat kein Geld

Der Spatenstich erfolgte zwischen den Gemarkungen Friedberg und Wöllstadt, und zwar an dem Punkt, an dem die geplante Umgehungsstraße die alte B 3 Trasse verlassen und auf einer neuen Streckenführung zwischen den beiden Ortsteilen hindurch in Richtung Karben verlaufen soll. "Wenn der erste Spatenstich einmal erfolgt ist, dann handelt es sich um keinen Neubau einer Straße, sondern lediglich um eine Instandsetzung", sagte Peter Dangelmeier verschmitzt.

Er reagierte damit auf die Ankündigung des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer (CSU), der erst kürzlich erklärt hat, dass dem Bund das Geld für neue Straßen fehle. Deshalb werde es angesichts begrenzter Mittel im Bundeshaushalt in den nächsten Jahren grundsätzlich keine Neubeginne im Straßenbau mehr geben. Das hat er Anfang der Woche dem Wetterauer Landrat Joachim Arnold (SPD) gegenüber ausdrücklich noch einmal bestätigt. Das wäre das Aus für die Umgehung. Die Bürger sind wütend.

 

Vorfinanzieren?

"Wo sind denn die vielen Milliarden aus den Mauteinnahmen hingeflossen?" fragte Dangelmeier sichtlich genervt. Und dann nimmt er auch die hessischen Politiker, allen voran Staatsminister Dieter Posch (FDP) ins Visier. "Warum ist von denen noch keiner auf die Idee gekommen, die 38 Millionen Euro Baukosten für die Umgehungsstraße vom Land vorfinanzieren zu lassen. Sind 30 000 Autos täglich durch Wöllstadt nicht Grund genug, die Sache endlich in die Hand zu nehmen", fragte Dangelmeier. Geld für Prestigeobjekte wie beispielsweise den Flughafen Kassel-Calden oder für Staatsweingüter sei ja vorhanden. Warum kann das Land die 38 Millionen Euro für so ein wichtiges Vorhaben nicht vorstrecken? Das fragt sich auch der Erste Beigeordnete Georg Wiederholt (FWG).

 

Politiker zanken

Die bisherigen Verzögerungen beim Baubeginn der Ortsumgehung bedeuteten zwar für die Wöllstädter Bürger eine verlorene Schlacht, aber noch lange keinen verloren Krieg, sagte er. Deshalb ärgert sich auch der frühere Ortsvorsteher und CDU-Ortsvorsitzende Thomas Hein über das Wortgefecht des Landrats mit dem hessischen Landtagspräsidenten Norbert Kartmann (CDU). Letzterer hatte die Schuldenbremse des Bundes ausdrücklich verteidigt und warf dabei Arnold unbotmäßige Scheinheiligkeit vor. Denn schließlich habe die SPD die Schuldenbremse in Berlin mit beschlossen.

Im Übrigen sei die SPD aber sowieso an der Verzögerung Schuld. Denn wenn sie die Umgehungsstraße um Friedberg nicht so lange hinausgezögert hätte, dann wäre die neue B 3a um Wöllstadt längst schon Geschichte, ärgerte er sich.

"Derartiges Schuld Hin- und Hergeschiebe ist unanständig und trägt nur zur Politikverdrossenheit bei. Die sollten vielmehr gemeinsam nach einer Lösung suchen. Beispielsweise der Vorfinanzierung", meint dagegen Hein mehr als verärgert. Bei der Veranstaltung war übrigen kein Kreis-, Landes- oder Bundespolitiker anwesend. Sie seien alle verhindert, hieß es.

 

Demo geht weiter

Sauer über die erneute Verzögerung ist auch die Wöllstädterin Renate Weichegel. Sie wohnt zwar nicht unmittelbar an der B 3. Doch führt ihr Weg täglich mehrmals über die vielbefahrene Bundesstraße. "Ich stehe manchmal gute fünf Minuten in der Seitenstraße, bevor mich endlich einer auf die B 3 einbiegen lässt", so die Wöllstädterin. Das sei nicht nur nervig, sondern koste Benzin und schade der Umwelt.

Abschließend kündigte Dangelmeier weitere Termine im Sinne der Bürgerinitiative an. So käme der verzögerte Baubeginn in der Bürgerversammlung am 26. September genauso wieder zur Sprache, wie bei der erneuten Demo am 7. Oktober. Außerdem wollen sich die Bürgermeister der Kommunen, die in der Wetterau an der B 3 liegen, demnächst treffen und über ein gemeinsames Vorgehen sprechen. "Es darf nicht sein, dass ganz Wöllstadt leidet, nur weil Hessen beim Straßenbau andere Prioritäten gesetzt hat", stellt Dangelmeier sichtlich genervt fest.

Quelle FNP: http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/wetterau/woellst-dter-graben-ihre-u
mgehung-selbst_rmn01.c.9213209.de.html