Minister will Straßenneubau stoppen: Wöllstadt dennoch kämpferisch, Karben zuversichtlich

 

Da geht ein Thema beinahe unter: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will nicht bloß eine Pkw-Maut einführen. Sondern er will auch Straßenneubauten in Deutschland bleiben lassen, sagte er gestern im Bundestag. Das hätte für Karben, Wöllstadt und die Wetterau dramatische Folgen.

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Karben. Ende des Ausbaus am Ausbauende? Nun könnte es noch viele Jahre extra dauern, bis die B 3 hier von Karben-Kloppenheim aus weitergebaut wird.	Fotos: Pfeiffer-Goldmann, Ihm-FahleEnde des Ausbaus am Ausbauende? Nun könnte es noch viele Jahre extra dauern, bis die B 3 hier von Karben-Kloppenheim aus weitergebaut wird. Fotos: Pfeiffer-Goldmann, Ihm-Fahle Fast immer hat das, was in Berlin beschlossen wird, Auswirkungen auf die Wetterau. Als Peter Ramsauer gestern früh im Bundestag ans Rednerpult trat, ahnte mancher schon, dass diesmal die Folgen unmittelbar sein könnten.

Noch schlimmer: In Wöllstadt sind sie längst eingetreten. Obwohl seit anderthalb Jahren Baurecht für die B 3-Umfahrung der beiden Ortsteile besteht, hat der Bund bisher keinen Cent der 40 Millionen Euro Baukosten bereitgestellt. Nun kündigt Ramsauer an, dass das er die Prioritäten beim Straßenbau ändern will: Weil der Bund kein Geld hat, gehe der Erhalt vorhandener Strecken vor Neubau. Es gebe nahezu keinen Spielraum für neue Spatenstiche, ergänzt sein Sprecher.

"Das wäre eine Katastrophe für die Wetterau", befürchtet die Wetterauer SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl. Als Flächenkreis treffe sie das besonders hart – in Wöllstadt und Karben wie in Büches und Selters.

Sollte der Bund den B 3-Ausbau wirklich stoppen, sei das für die betroffenen Anwohner einfach "völlig ungerecht", findet Gnadl. "Sie wären dann total gekniffen", schließlich locke die im Süden bis Kloppenheim und von Norden her bis vor Wöllstadt ausgebaute Strecke schon erheblich mehr Verkehr an. "Daher gehört das letzte Teilstück dringend ausgebaut."

In Wöllstadt sorgt Ramsauers Ankündigung für Entsetzen. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", ringt Bürgermeister Alfons Götz (CDU) nach Worten. "Die Situation ist unerträglich: Hier hat man als Anwohner fast keine Ruhezeiten mehr in der Nacht und keiner kommt noch aus einer Hofeinfahrt oder einer Seitenstraße heraus."

 

BI will noch mehr machen

Während seiner 17 Amtsjahre habe er das Projekt bis zur Baureife begleitet, alle Probleme aus dem Weg geräumt, die Wöllstädter hätten über alle Jahre den Lärm ertragen. Die Ankündigung nun sei ein Tiefschlag. "Ich mag das nicht glauben", sagt Götz, "ich habe immer noch ein bisschen Hoffnung."

Die gibt auch Peter Dangelmaier nicht auf, der Sprecher der Bürgerinitiative "Ortsmgehung Wöllstadt jetzt!". Ihm ist klar: "Wir können das nun nur durch noch mehr Druck einfordern." Für kommenden Freitag hat die BI die nächste Aktion geplant: eine Demo für die Umgehung, getarnt als "Erster Spatenstich". Noch sei schließlich auch nicht ausgemacht, ob denn das, was Ramsauer erkläre, auch tatsächlich so passiere. "Es sind ja auch weiterhin einzelne Projekte im Etat drin."

Der BI-Sprecher sieht nun Hessens Landesregierung in der Pflicht, vom Bund das Entlasten der Wöllstädter einzufordern. Notfalls müsse das Land das Vorhaben vorfinanzieren, fordert Dangelmaier. Denn Bürgermeister Götz macht deutlich: "Wir als kleine Kommune könnten das nicht."

 

Erst vierspurig bauen

Im benachbarten Karben ist die Ausbauplanung für die B 3 noch lange nicht soweit. Trotzdem sei es sträflich, nun abzubremsen, findet Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Ramsauers Vorgehen kritisiert er als Ad-hoc-Entscheidung, "die sich auch wieder ändern" könne. Dann sei es wichtig, dass die Planung in Karben so weit sei, dass es losgehen könnte. "Wir haben keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen."

Der Karbener B 3-Ausbau sei ohnehin "eher ein mittelfristiges Projekt", erinnert Rahn. Die Stadt lässt derzeit die Umweltgutachten überprüfen – um womöglich eine Variante durchzusetzen mit einer geraderen Streckenführung als die bisher vom Bund bevorzugte Variante. Wichtiger als das sei aber zunächst der vierspurige Ausbau zwischen Karben und Bad Vilbel. "Sonst holen wir uns nur Stau hierher."

 

Quelle: FNP http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/wetterau/ramsauers-aus-fuer-die-b-3_rmn01.c.9195136.de.html