Seit mehr als 30 Jahren fordern die Wöllstädter eine Ortsumgehung. Seit dem vergangenen Jahr besteht nun das Baurecht - doch der Bau verzögert sich weiter, weil das Geld fehlt.

 

          Die Wöllstädter wollen nicht mehr warten.
Die Wöllstädter wollen nicht mehr warten.
Foto: Rolf Oeser (2)

Das Wetter war sommerlich, eine Musikgruppe spielte Blasmusik, Kinder tobten herum und viele Menschen saßen an den Biertischen: scheinbar ein ganz normales Sommerfest am Samstagmorgen in Nieder-Wöllstadt. Wenn sich diese Szene nicht mitten auf der Kreuzung B3/B45 abgespielt hätte und das Gebiet nicht weiträumig von der Polizei abgesperrt gewesen wäre.

 

Die Bürgerinitiative „Ortsumgehung Wöllstadt – JETZT“ hatte zu einer Demonstration aufgerufen und mehrere hundert Einwohner waren gekommen. Gemäß dem Motto „Wöllstadt frühstückt“ hatten sie Kaffeekannen und Brötchen mitgebracht. Und wo sonst Lärm und Gestank von Lastwagen und Autos ein Gespräch unmöglich machen, saßen die Menschen mehr als eine Stunde lang und genossen sichtlich die autofreie Zeit – die Demonstration war von 11 bis 12 Uhr genehmigt worden.

 

          Menschen statt Lastwagen auf der Kreuzung – einen Morgen lang.
Menschen statt Lastwagen auf der Kreuzung – einen Morgen lang.

Die Bürgerinitiative (BI) wollte mit dieser Aktion auf die für sie unerträgliche Verkehrssituation in Wöllstadt aufmerksam machen. Sie verlangt den sofortigen Baubeginn der Ortsumgehung. BI-Vorsitzender Helmut Dangelmeier: „Wir fordern, dass die 38 Millionen Euro für den Bau endlich in den Bundeshaushalt gestellt werden.“ Die sieben Kilometer lange Trasse sei nicht nur für die Wöllstädter wichtig, sagte Dangelmeier. Seiner Meinung nach würden der ganze Kreis und sogar das Rhein-Main-Gebiet von der Umgehung profitieren.

 

Mit Megafon bepackt, ging Dangelmeier durch die Reihen und begrüßte Politprominenz. Landrat Jochen Arnold (SPD) kreuzte ebenso auf wie Landtagsabgeordneter Tobias Utter (CDU) und Ministerin Lucia Puttrich (CDU). Die Politiker wurden von vielen Bürgern angesprochen, denn in Wöllstadt ist nach jahrzehntelangem Warten die Geduld der Bewohner am Ende.

 

„Ich wohne zwar nur in einer Seitenstraße der Frankfurter Straße, aber wenn die Laster hier vorbei donnern, dann vibriert unser Haus“, berichtete Barbara Feuerbach. Sie wohnt seit 1962 in Wöllstadt und meint: „Der Verkehr ist immer schlimmer geworden, besonders nachts die Lastwagen.“

 

Die Familie von Jörn Schröder wohnt direkt an der Hauptstraße. „Seitdem die Ortsumgehung in Friedberg fertig ist, hat der Verkehr bei uns noch zugenommen“, erzählte Schröder. Besonders viele Laster würden nun die Strecke über Wöllstadt als Abkürzung auf die A 661 nehmen.

 

Schulweg zu gefährlich

„Wir wollen, dass der Lärm und die Umweltverschmutzung in unserem Ort aufhört“, sagte Schröder mit Blick auf seinen einjährigen Sohn Henry. Zur Fritz-Erler-Grundschule würden viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto fahren, weil der Schulweg über die Hauptstraße zu gefährlich sei. „Wenn mal die Ampeln ausfallen, dann gehen die Kinder morgens wieder nach Hause, weil sie vor lauter Autos nicht über die Straße kommen.“

 

30000 Autos täglich fahren durch Nieder-Wöllstadt, so BI-Vorsitzender Dangelmeier. Seit 1980 fordern die Wöllstädter die Trasse, seit 2010 besteht Baurecht – aber nun fehlt das Geld. Es fehle der Finanzierungsspielraum, heißt es aus Berlin. Dangelmeier monierte, dass für Projekte in Nordhessen wie den Ausbau der A45 bei Fulda sehr wohl Gelder zur Verfügung stünden. Dazu Utter: „Andere waren einfach vor uns dran.“ Und Puttrich: „Es stehen eben nur in begrenztem Umfang Gelder zur Verfügung.“ Puttrich wies Vorwürfe zurück, dass sie sich durch ihren Rückzug aus Berlin nun nicht mehr für Wetterauer Belange einsetzen könne. „Als Ministerin öffnen sich für mich ganz andere Türen.“

 

Die Frühstücksaktion soll nicht die letzte Demo gewesen sein. Mitte September will die BI selbst den ersten Spatenstich tun. „Symbolisch wollen wir mit 500 Schippen zeigen, wie schnell es gehen könnte, endlich die Umgehung zu bauen“, so Dangelmeier.

 

 

Quelle FR: http://www.fr-online.de/rhein-main/bad-vilbel/fruehstueck-auf-der-kreuzung/-/1472868/9537314/-/index.html